Selbstverteidigung: Mit der Angst steigt die Nachfrage

Nach sexuellen Übergriffen wie in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof steigt die Nachfrage nach Selbstverteidigungsmitteln wie Reizgas oder Schreckschusswaffen. Doch in welchem Fall liegt überhaupt eine Situation vor, in der eine Selbstverteidigung angebracht ist? Welche Mittel bringen etwas und sind in Deutschland erlaubt? Wir zeigen Ihnen wann und wie Sie sich wehren dürfen.

Was ist Notwehr?

Zwischen Erstangriff und Notwehr zu unterscheiden ist nicht immer einfach. Das letzte Wort, falls es zu einer Klage kommt, hat in jedem Fall das Gericht. So gibt es häufig Fragen wie: Wann darf ich mich wehren? Kann ich zur Abwehr auch Reizgas, Pfefferspray oder eine Nachahmungswaffe mit Knall- oder Gasmunition nutzen?

Notwehr bei Angriffen, Bedrohung oder sexuellen Übergriffen

Bei einem körperlichen Angriff auf eine unbeteiligte Person, darf man sich selbstverständlich zur Wehr setzten. Auch die Verteidigung vor einem Angriff kann durchaus noch als Notwehr gewertet werden, wobei das Eintreten auf eine am Boden liegenden Person dann nicht mehr als Selbstverteidigung zählt.

Notwehr gemäß §32 StGB

  • Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
  • Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Schwieriger wird es bei Bedrohungen und sexueller Nötigung. So kann eine körperliche Abwehr nach der reinen Androhung von Gewalt negative Konsequenzen für einen selber haben. Auch bei der sexuellen Nötigung kann es knifflig werden, da manchmal keine körperliche Bedrohung vorliegt, die eine Notwehr rechtfertigen würde. Die Sachlage sieht bei sexuellem Missbrauch natürlich anders aus.

Bei „körperlichem“ Mobbing, wie dem Drängen in eine Ecke, dem zu Boden zwingen oder Herumschubsen ist eine Gegenwehr durch körperliche Gewalt möglicherweise noch vertretbar und könnte als Notwehr ausgelegt werden. Bei psychischem Mobbing durch Beleidigungen, Verleumdung und Verbreitung falscher Tatsachen ist keine körperliche Bedrohung gegeben.

Auf Notwehr kann man sich also berufen, wenn ein Opfer befürchten muss, dass seine „rechtlich geschützten Interessen“ oder die eines anderen verletzt werden. Zu den Interessen gehören:

  • Leben
  • Körperliche Unversehrtheit
  • Sexuelle Selbstbestimmung
  • Eigentum
  • Ehre

Wichtig ist, dass man sich nur verteidigt, wenn man auch gerade angegriffen wird. Wenn sich der Angreifer bereits entfernt hat ist ein späterer Gegenangriff, um sich zu rächen, nicht durch Notwehr gedeckt. Auch beim Einsatz von Hilfsmitteln ist Vorsicht geboten. So sollte die Selbstverteidigung schließlich nicht zur Körperverletzung werden.

Welche Selbstverteidigungsmittel sind erlaubt?

Neben Kursen, die das eigene Selbstbewusstsein stärken und die Verteidigungstechniken verbessern, gibt es auch zahlreiche Hilfsmittel zur Verteidigung.

Pfefferspray: Das frei käufliche Pfefferspray ist zur Tierabwehr gedacht. Eine Anwendung gegenüber Menschen ist nur bei Vorliegen einer Notlage und einem rechtswidrigen Angriff als Notwehr erlaubt. Die starke Reizwirkung kann etwa bei Asthmatikern schnell problematisch werden. Ein Einsatz kann auch bei der Abwehr zu juristischen Konsequenzen führen.

CS-Gas: Dieses Gas ist eine Alternative zum Pfefferspray, welches auch für tränende Augen beim Angreifer sorgt. Daher ist es auch als Tränengas bekannt. Das CS-Gas ist nicht ganz so stark wie das Pfefferspray. Die Handhabung ist ab einem Alter von 14 Jahren erlaubt, wenn es eine offizielle Zulassung vom Bundeskriminalamt vorweisen kann.

Schreckschuss- und Gaspistolen: Diese Selbstverteidigungswaffen sind aufgrund ihrer abschreckenden Wirkung beliebt. Da sie stark an echte Schusswaffen erinnern, können potentielle Angreifer schon dadurch in die Flucht geschlagen werden. Beim Abfeuern gibt die Waffe ein Gasgemisch ab, bei dem es sich in der Regel um Tränengas handelt. Zusätzlich ertönt ein lauter Knall, der auch Passanten auf die Geschehnisse aufmerksam macht. Erwachsene können die Schreckschusswaffen legal in Deutschland kaufen. Um Sie bei sich zu tragen, wird der sogenannte kleine Waffenschein benötigt. Ein verdeckte Trageweise empfiehlt sich, da es sonst schnell zu unangenehmen Situationen, beispielsweise mit der Polizei, kommen kann.

Teleskopschlagstock

Die ausklappbaren Hieb- und Stoßwaffen sind für Personen über 18 Jahren legal zu kaufen. Das Mitführen und Einsetzen eines Teleskopschlagstocks ist ohne weiteres aber nicht erlaubt. Totschläger und Strahlruten dürfen in Deutschland nicht verkauft werden.

Elektroschocker

Ein Elektroimpulsgerät oder Elektroschocker ist im Internet bei Online-Versandhändlern schnell zu finden. Wenn die Person, die ihn mitführt, mindestens 18 Jahre alt ist und den Elektroschocker legal erworben hat und dieser ein Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) aufweist, ist ein Elektroschocker für die Notwehr erlaubt. Ohne das Siegel ist der Besitz in Deutschland strafbar, da er gegen das Waffenschutzgesetzt verstößt. Taser, die den Angreifer auch aus einer kurzen Distanz außer Gefecht setzen, sind in Deutschland verboten.

Achtung: Unsere Inhalte wurde sorgfältig erstellt, jedoch ändern sich rechtliche Normen und einige sind Auslegungssache. Wir können auf die folgenden Informationen keine Gewähr übernehmen, für eine rechtssichere Beratung suchen Sie bitte einen Anwalt auf.

Bei der ganzen Sache Selbstverteidigungssituation sollte bedacht werden, dass es sich häufig auch nur um eine gefühlte Unsicherheit handelt – mit der Angst steigt nämlich die Nachfrage an Verteidigungsmaßnahmen. So hat sich an der wirklichen Sicherheitslage laut Polizei nichts verändert. Um das eigene Gewissen zu beruhigen und sich in einer Notsituation sicher wehren zu können, kann das Tragen von Sprays oder Schreckschusswaffen sinnvoll sein. Die Abschreckwirkung kann zusätzlich präventiv wirken. Um sich in der Öffentlichkeit oder nachts sicher zu fühlen, empfehlen sich neben den Verteidigungsmitteln auch Selbstverteidigungskurse.

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