Fotokalender und Luftpolsterfolie fuehrten zu Gerichtsverhandlung

Dass das falsche Verpacken vom Fotokalender für eine Spedition zum Verhängnis wurde, hätte wohl niemand gedacht.

Doch so ist es tatsächlich geschehen: Eine junge Familie, die Frau kurz vor der Geburt des gemeinsamen Sprösslings, hatte die Schwangerschaft in einem Fotokalender dokumentiert. Doch nicht etwa ein konventioneller Kalender war es, sondern ein ganz besonderer. Auf echter Leinwand wurden die tollsten Bilder der hübschen Mutter in Szene gesetzt und um diese Fotos wurde das komplette Jahr in Kalenderform gesetzt. Ein echtes Unikat – und gar nicht so preiswert. Schließlich ließ die Familie die Fotos extra beim Fotografen machen. Den Fotokalender haben sich die beiden im Internet bestellt.

Mit dem Fotokalender im Gepäck und dem Kind im Bauch wollte die Kleinfamilie den Umzug in die Doppelhaushälfte nicht alleine bewältigen und engagierte eine Umzugsfirma. Aufgabe so einer Spedition ist es zweifelsohne, nach bestem Wissen und Gewissen die Utensilien desjenigen, der umzieht, zu verpacken, sodass Transportschäden vermieden werden. Allerdings hielt es diese Spedition für absolut ausreichend, den Fotokalender mit der hübschen, schwangeren Mutter nur mit Packpapier zu schützen. Es würde schon nichts passieren, man würde doch vorsichtig fahren, äußerte der Spediteur, als die werdende Mutter ihre Bedenken zu äußern wagte.

Doch es kam, wie es kommen musste: Das Packpapier reichte nicht aus, das Kunstwerk zu schützen. Kratzer von unvorsichtigen Umzugshelfern, denen es scheinbar egal war, dass Bild und Spiegel kollidierten, befanden sich anschließend auf diesem einmaligen Erinnerungsstück, was auch, das sollte kurz erwähnt werden, nicht gerade das preiswerteste Bild war. Abgesehen von den Kratzern befand sich sogar ein kleines Loch in der Leinwand. Zu Tode betrübt war die Mutter, während der Vater vor Wut kochend mit seinen Anwälten drohte.
Tatsächlich kam es letztendlich zu dem angedrohten Prozess. Das Gericht warf dem Spediteur vor, er hätte unvorsichtig gehandelt und wäre seinen Pflichten nicht gewissenhaft nachgekommen. Die Mutter habe neben dem finanziellen auch einen seelischen Schaden erlitten. Schließlich gab das Gericht vor, solche Unikate hätten mit Luftpolsterfolie vor exogene Einflüsse geschützt werden müssen.

Sandra Müller
vz(at)hub-eisenach.de

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