Kritik an Agrarrohstofffonds

Das Spekulieren auf Lebensmittelpreise ist in den vergangenen Jahren immer mehr in Verruf geraten. Viele Fondsgesellschaften bieten Aktivitäten im Bereich Agrarrohstoffe an, doch Kritiker werfen der Finanzindustrie vor, damit extreme Preisschwankungen der Grundnahrungsmittel zu verursachen. Die Hungerkrise in der dritten Welt würde mit dem Spekulieren mit Fonds dieser Art nur noch verstärkt werden, so ein Sprecher der Organisation Foodwatch.

Im Zuge der harschen Kritik sind schon mehrere große Banken aus diesem Geschäft ausgestiegen, darunter sind zum Beispiel die Deutsche Bank und die Commerzbank. Doch noch immer gibt es Institute, die sich dagegen weigern auf diese Fonds zu verzichten. So sagt unter anderem ein Sprecher der Allianz Global Investors in einem Interview, dass man nicht vorhabe auszusteigen. Damit sind sie nicht alleine, denn die Union Investment, eine Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken wird ihren Rohstofffonds ebenfalls nicht einstellen. Der Druck von außen geht an ihr zumindest nicht völlig vorbei, denn man plant, die Aktivitäten im Bereich Agrarrohstoffe gründlich zu prüfen, um die verantwortungsvolle Investitionspolitik der Rohstofffonds sicherzustellen.

Foodwatch bemüht sich schon seit langem darum, das Investment in Weizen, Mais, Reis oder Soja zu unterbinden. Ein Bericht der Organisation zeigt, dass Anlagen in Agrarrohstoffe zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führen und in den Entwicklungsländern zusätzlichen Hunger verursachen. Steigende Preise seien für die dritte Welt das letzte, was man dort benötige und deshalb fordert Foodwatch Banken und Fondsgesellschaften dazu auf, diese Art der Investments einzustellen. Als Anleger selbst sollte man sich ebenfalls fragen, ob man sich auf so eine Investition wirklich einlässt. Zwar mögen hier günstige Konditionen rausspringen und wie bereits Jürg Zeltner, CEO beim UBS Wealth Management, gesagt hat, ist die geeignete Anlage stets schwer zu finden, doch unter solchen Umständen sollte man lieber einmal öfter überlegen.

In einigen Banken werden diese Fonds deshalb gar nicht mehr bei der Kundenberatung angeboten, obwohl es noch bestehende Produkte gibt. Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bank soll deshalb klären, warum die Preise für die Rohstoffe steigen und welche Auswirkungen dies hat. Ganz sicher, ob man den Spekulationen die Schuld für das Hungerproblem in der Welt in die Schuhe schieben darf, sind sich nämlich selbst die Experten nicht.

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