Monika Martin – Und ewig ruft die Liebe oder in der Stille liegt die Kraft

martin-cd1.jpgEs ist nun schon gut und gerne zehn Jahre her, da lernte ich Monika Martin im Zuge eines dieser Pressetreffen kennen. Man darf sich das nicht als nüchterne Pressekonferenz vorstellen, sondern es ist viel gemütlicher und die Sonnenseite des Journalistenlebens. Ich saß da mit einigen Kollegen und Frau Martin beim Abendessen, hörte viel zu, stellte einige Fragen und nahm den vorgefertigten Pressetext mit nach Hause. Da drin las ich dann so Sätze wie “der stille Star“ und ähnliches. Eigenartig, dachte ich mir, denn so still kam mir die Dame gar nicht vor. Vielleicht hatte ich auch eine andere Vorstellung von ’still’. Für mich stand das für ganz ruhig, mit großen Kulleraugen in die Welt blicken und den Mund nur aufmachen, wenn man gefragt wird. Heute weiß ich, dass es zwischen ’still’ und ’still’ Unterschiede gibt.
In diesem Fall ist es ein anderes ’still’: Die Grazerin Monika Martin drängte sich nie in die erste Reihe, den Spruch ’jede Promotion ist gute Promotion’ hat sie als das entlarvt was er ist: ein Blödsinn. Was zählt ist Leistung und die Wirkung aufs Publikum. Gerade zuletzt hat man im Musikgeschäft immer mehr erkennen dürfen, dass der große mediale Trommelwirbel nicht unmittelbar zum großen Erfolg führt. Ob beim fernsehtauglichen Tanzwettbewerb oder anderen Versuchen das Blitzlicht zu erheischen. Fehlt die Authentizität des Künstlers, ist das, wie man in der Steiermark so schön sagt, ’alles für die Füss’. ’Still’ heißt somit in diesem Fall ’ruhig und konzentriert den eigenen Weg gehen’ und nicht ’nur reden, wenn man gefragt wird’. In der Stille liegt die Kraft, laut sein kann jeder.
Es war vor einigen Jahren. Ich saß mit 15.000 anderen im Festzelt in Kastelruth. Festzelte dieser Kategorie sind normalerweise kein Hort der Ruhe. Im Gegenteil, sich da zu behaupten heißt 15.000 Menschen, die auf die Kastelruther Spatzen warten, dazu zu bewegen, diese Wartezeit mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu überbrücken. Schwerarbeit. Das Zelt brodelte. Auf der riesigen Bühne tauchte eine Frau auf. Weißer Anzug, rundherum gähnende Leere. ’Oh Gott, Monika’, dachte ich, ’was hast du dir da angetan. Allein gegen 15.000?!’ Monika Martin fing an zu singen. “Schnelle Lieder sind nicht wirklich das Meine, ich liebe Balladen und das Leise“, sagt sie heute und ohne einen flotten Einpeitscher begann sie in dem proppevollen Festzelt zu singen. Nach zwei Minuten war es da drin ruhig. Eine Stecknadel hätte man zwar nicht fallen hören, weil da am Boden kein Platz für eine Nadel gewesen wäre, aber die Leute hörten zu. Sie saßen da, waren ruhig und hörten einfach zu. Monika im weißen Anzug bekam dann noch aus dem Publikum eine weiße Rose geschenkt. Eine Inszenierung? Monika schwört “nein“. Ein Zufall, ein perfekt passender Zufall. Es war in dem riesigen Zelt für 30 Minuten ruhig und seit diesen 30 Minuten glaube ich zu wissen, was das Phänomen Monika Martin ausmacht.
Da wäre einmal der ’gerade Weg’. Frau Martin würde nie etwas machen, nur um des Erfolges Willen. Erfolg ist das Ergebnis von Authentizität und wenn sie sagt “nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, dann ist dies auf den Punkt gebracht.
Ja und die Stille… Stille ist in ihrem Fall jene Geräuschlosigkeit, die sie im Publikum erzeugt, wenn sie vor jenem steht. Die Menschen sind still, weil sie sonst nicht verstehen würden, was Monika Martin singt. Es sind Lieder, die von der Kombination Text und Stimme leben. Beides ist auf ihre Art unverwechselbar. Es unterwirft sich keiner Mode, sondern zieht seine eigenen Kreise und: diese Stimme weckt eine besondere Form der Sehnsucht. Sie nimmt einen mit auf eine Reise ins Ich. Dies gelang der Grazerin im Übrigen bereits bei ihrem Karrierestart. “La Luna Blu“ – der erste Titel aus eigener Feder und auf Anhieb der erste Hit.
Die aktuelle CD mit dem Titel “Und ewig ruft die Liebe“ ist ein Auszug aus dem Leben jedes Einzelnen. “Liebe ist in ihrer Art einzigartig, sie hat kein Ablaufdatum, sie hört mit keinem Alter auf“, erzählte mir Monika unlängst und was so schnulzig klingt ist eigentlich nichts anderes als die Wahrheit. Wir Menschen verlieben uns immer wieder. Die geistige und die körperliche Liebe haben in der Tat kein Ablaufdatum. Da hört zwar was auf, aber nach einiger Zeit des Wehtuns geht das alte Spiel wieder los. “Die Liebe ruft halt immer“, sagt sie und seufzt, “das macht das Leben natürlich nicht leichter, aber die Zeiten des Hochgefühles, der Schmetterlinge im Bauch, die will man nicht missen“.
Tauben, füge ich an, keine Schmetterlinge. Monika Martin züchtet Brieftauben und Kakteen. Das Anmutige und das Stachelige. Das Weibliche in seiner gegensätzlichen Schönheit.
Der Schmerz und die Flüchtigkeit der Liebe. “Jedes Ende ist ein Beginn“ singt sie in jenem Lied, das der CD vorausgeht. Es ist keine dieser üblichen Durchhalteparolen an verlassene Frauen, sondern viel mehr eine gesungene Tatsache. “Aus Verzweiflung wird Mut gemacht’“ und “Nach jeder Grenze kommt neues Land“ sind Zeilen, die im Text dieses Liedes vorkommen und: Monika Martin singt diesen Song auf eine kraftvolle Art. Sie, die die leisen, sehr hohen Töne beherrscht, zeigt gerade hier mit der Stimme Zuversicht. Signalisiert “traut euch in die neue Zeit zu gehen“.
2009 geht Monika Martin auf eine Solo-Kirchentour. “Da bin ich zu Hause, das ist für mich genau das richtige Ambiente“ erzählt sie und man glaubt es ihr sofort. Die stille des Raumes, die Höhe des Kirchenschiffes – alles in allem nie und nimmer ein Platz für Gaudi und Gepolter.
“Und jetzt: Alle klatschen in die Hände…der Typ bin ich nicht“, sagt sie und deshalb steht an dieser Stelle keine Liste der Auszeichnungen und Erfolge. Dazu gibt es das Internet, da steht alles haargenau drin und immer mit den Orden klimpern, erzeugt zu viele Nebengeräusche, die gerade zu Monika nicht passen. Nicht zu ihr. Dann schon viel eher Textzitate wie “Dann träume ich mir Flügel“. Wieder eine so wunderschöne, unplakative Sehnsucht.
Monika Martin muss man verstehen können, um zu verstehen was sie tut. Gelingt einem das nicht, dann ist man mit seinem Urteil sehr schnell im ’singenden Handarbeitslehrerinnen-, Micky-Maus-Stimmen- und Schnulzeneck’. Das mag eine durchaus zu respektierende Meinung sein, aber sie ist oberflächlich. Unter dieser Oberfläche, aber da brennt die Luft und da ist dann gar nichts mehr still. Wie gesagt: Das Anmutige und das Stachelige.
Quelle: Koch Universal

Weitere Informationen unter www.monika-martin.de

Monika Martin
Das Album “Und ewig ruft die Liebe“ (Best.-Nr. CD 1763565) ist ab dem 4. Juli im Handel erhältlich.
www.abella.de/detailanz/produktanzeige.rt?prid=577085

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