Wolfgang Petry – Alles Maxi – Seine größten Erfolge

petry.jpgNach 1984 sah es in der bis dahin so Erfolg versprechend verlaufenden Karriere des sprichwörtlichen “Kölschen Jong” WOLFGANG PETRY ganz und gar nicht gut aus. Trotz knackig-krosser Hitparadenstürmer a la “Sommer in der Stadt” (1976), “Ganz oder gar nicht” (1980), “Jessica”, “Tu’s doch” (1981), “Der Himmel brennt” (1982) oder “Wahnsinn” (1983), war dem 1951 unter dem Realnamen Franz Hubert Wolfgang Remling geborenen Musiker der Durchbruch an die Spitze des einheimischen Musikgeschehens bislang verwehrt geblieben.


Seine vorherige Plattenfirma “Coconut Records” ließ ihn sang- und klanglos fallen; Gutgemeinte (und qualitativ alles andere als fehlgeschlagene) Versuche, mit lyrisch tiefer gehenderen, gar sacht anpolitisierten Liedern (u.a. produziert vom genialischen Friedrichshafener Düster-Chansonnier Stefan Waggershausen) in der Mitte der 80er Jahre so prächtig blühenden Deutschpop-Szene Fuß zu fassen, scheiterten in kommerzieller Hinsicht auf ganzer Linie. Zum Ende der kühlen Dekade interessierte sich mehr oder minder niemand mehr für die gesanglichen Darbietungen des Wolfgang Petry.
Doch dann, kaum war die Folgedekade angebrochen, läutete – zumindest der Legende nach – eines Tages das Telephon bei Familie Petry. Wolfgang ging dran – am anderen Ende der Leitung befand sich Komponist und Produzent J.P. Valance, der dem Ex-Schlagerstar offerierte, er habe nun genau jene passende Nummer ersonnen, welche die ultimative Wende in Wolfgang Petrys versackender Karriere bedeuten könnte…
Ja, ebenjener treffliche Rockschlager aus der Feder von J.P. Valance und Texter Michael Buschjan nannte sich “Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeih’n” und läutete im Frühjahr 1992 eine mehr als zehn Jahre währende Ära ein, die nicht nur den Deutschen Schlager von Grund auf revolutionierte, sondern zugleich vom Interpreten selbst wohl nicht in den kühnsten Träumen erhofft worden war.
Wolfgang Petry, stets der nette, Starallürenfreie Kumpeltyp von nebenan, avancierte von nun an zum Stadien füllenden Megastar, der Millionen von CDs verkaufte, Preise und Auszeichnungen en Masse für sich veranschlagte und – gerade dies ist ihm besonders hoch anzurechnen – viele Musikfreunde, die bislang mit teutonischem Schlagerliedgut nicht viel am Hut hatten, für eben dieses Genre zu begeistern vermochte.
Im Rahmen der von seinem langjährigen Mentor und väterlichen Freund Dieter Tomas Heck moderierten TV-Show zur Verleihung der “Goldenen Stimmgabel”, im September 2006, gab Wolfgang Petry seinen unwiderruflichen Rückzug von der Showbühne bekannt, zumal er die Jahre zuvor immer wieder gesundheitliche Probleme durchleiden musste, die ihn letztlich dazu veranlassten, sich künftig ausschließlich dem Privatleben zu widmen.
Während sein überaus sympathischer Sohn Achim Petry seit rund einem Dreivierteljahr mit eigenen kessen Titeln und den größten Erfolgen seines Herrn Papa das Andenken an “Wolles” Lebenswerk bei den Fans, ob jung, ob alt, aufrecht erhält, stellt Wolfgang Petrys einstige Plattenfirma “Na Klar!” (Vertrieb: SONY-BMG) derzeit alle paar Monate mit viel Liebe und Akribie leckere Hit-Koppelungen zusammen, die den zigtausenden Freunden des Kölner Gratwandlers zwischen lieblichem Schlager und hartem, elektrisierenden Deutschrock ein ums andere Mal eine große Freude bereiten. Nach den “schönsten Balladen” im September vergangenen Jahres und ultra raren Liveaufnahmen zum Weihnachtsgeschäft 2007, steht nun “Alles Maxi – Seine größten Erfolge” auf der Agenda.

Hierbei handelt es sich um eine enorm spannende Kollektion der wichtigsten “Wolle”-Kracher aus den Jahren 1992 bis 2001, die allerdings – und gerade das macht den spezifischen Charme von vorliegender, knapp 80minütiger CD aus – sämtlich in den seinerzeit nur auf Maxi-CD veröffentlichten “Long Versions”/”Extended Versions” mit bis zu fünf, sechs Minuten Spielzeit bedacht wurden.
Dies bedeutet: Petry-Party pur! Alles Wichtige, was “Wolle” seinen Fans nach seinem unglaublichen Comeback 1992 schenkte, findet sich auf “Alles Maxi – Seine größten Erfolge”.

Einige Beispiele gefällig?
Nachdem sich “Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n” im Frühsommer 1992 bis in die einheimischen Top 30 vorgearbeitet hatte, was gleichbedeutend mit “Wolles” erstem Chartseinstieg seit 1983 war, sandten die Verantwortlichen den Klasse Rockschlager “Wieso und weshalb…” als weitere Single ins Rennen. Zwar war dieser Titel seinem Vorgänger in Sachen Melodieführung und Inszenierung recht ähnlich – aber alleine der knackige Synthesizerriff im Intro, der in vorliegender Langfassung durch ein schön vor sich hin klimperndes Piano noch zusätzlich unterstrichen wird, sorgte dafür, dass sich “Wieso und weshalb…” Ende 1992 ebenfalls in den Hitparaden festsetzen konnte – und heutzutage längst als unverbrüchlicher Evergreen aus dem so breit gefächerten Opus Wolfgang Petrys gilt, der jede Tanzfläche umgehend zum Kochen bringt.
Anfang 1993 setzte sich der Comeback-Feldzug von “Wolle” nahtlos fort. Der radikale Ohrwurm “Du bist ein Wunder”, diesmal eher im mittleren Tempo gehalten, zog gleichfalls in die Charts ein und hat sich längst als “Wolle”-Klassiker per Excellanze etabliert, der auch 2008 auf keiner Schlagerparty fehlen darf. Insbesondere das im Text enthaltene Wortspiel “Du bist ein Wunder / So wie ein Wunder / Ein Wunder Punkt in meinem Leben” hat diesen Titel zu einem unvergesslichen Gassenhauer werden lassen.
“Bronze, Silber und Gold / hab ich nie gewollt” hieß es augenzwinkernd in Wolfgang Petrys gleichnamiger 1996er-Hitsingle. All dies lag zu jenem Zeitpunkt auch längst hinter ihm. Ab Mitte der 90er Jahre kassierte “Wolle” eine Platin-Auszeichnung nach der anderen. Seine damalige Best Of-CD “Alles”, auf der natürlich auch “Bronze, Silber und Gold” – ursprünglich dem im September 1995 veröffentlichten Studioalbum “Egal” entstammend – verkoppelt war, brach alle Rekorde:

Über 150 Wochen lang hielt sich das Topalbum ununterbrochen in den LP-Charts. Dies ist ein Zeitraum von Mitte 1996 bis Mitte 2000. Davon verbrachte “Alles” die meiste Zeit mindestens unter den ersten 20 und sogar eine Woche lang auf dem ersten Rang.
“Nie genug” nannte sich “Wolles” im Sommer 1997 erschienene Top-CD. Die kurz zuvor vorab präsentierte Single “Weiber” sorgte für einen kleinen Skandal. Der äußerst süffisant ausgefallene Text, an dessen Entstehung der Interpret selbst beteiligt war – Zitat: “Weiber ham verdammt lange Beine / Weiber sehen tierisch gut aus / Weiber wollen immer das eine / Leider wollen sie immer nach Haus” –, trug dazu bei, dass jener, musikalisch eher gemächlich, frühlingsfrisch, leicht reggae-orientiert gehaltene Titel von mancher Rundfunkstation grundsätzlich boykottiert wurde und auch in Uwe Hübners “ZDF-Hitparade” nicht berücksichtigt wurde – was aber nicht verhindern konnte, dass die Single – die wir auf “Alles Maxi” in einer überaus rhythmischen, tanzbaren, 5 ½-minütigen Langfassung hören – im Spätsommer 1997 locker die Top 50 der “Media Control”-Charts nahm und somit zu einem weiteren immergrünen “Wolle”-Hit erwuchs.
Doch es sollte noch “schlimmer” kommen. Kaum war “Wolles” 1997er-Opus “Nie genug” auf dem Markt, folgte die Single “Augen zu und durch”. Melodisch und bezüglich Arrangement an Nick Kamens 1990er-Hit “I Promised Myself” erinnernd, begann der Superohrwurm textlich mit den so ehrlichen Worten: “Beschissen war die Nacht”… Ja, auch das war für manchen Radioredakteur zuviel, so dass auch diese offensive Hymne von vielen Sendern in diesem unserem Lande gnadenlos boykottiert wurde. Eigentlich absolut unverständlich, da diese Rundfunkstationen garantiert immer wieder Lieder aus dem angloamerikanischen Raum, ergo auf Englisch gesungen, aufgelegt haben, in denen es in lyrischer Hinsicht weitaus heftiger zur Sache ging. In muttersprachlichem Kontext jedoch, schien eine Allerweltsformulierung, wie “Beschissen war die Nacht”, die mit einiger Sicherheit jedem von uns schon mal mit vollster Berechtigung über die Lippen gekommen ist, als real existierendes Skandalon gewirkt zu haben.
Der überzeugende Erfolg von “Augen zu und durch” – trotz oder gar wegen der künstlich erzeugten Aufregung um die doch so ultraehrliche Textzeile “Beschissen war die Nacht” – veranlasste “Wolle” und sein Songschreiberteam, von nun an immer wieder mit zweideutigen Liedtexten, oft in einer Art parolenhafter Ausgestaltung gehalten, an die Öffentlichkeit zu treten. 1998 gab’s die Single “So ein Schwein (hat man nur einmal)” zu hören. Erneut eine dralle, vorantreibende Rocknummer auf Gitarrenbasis, die gekonnt mit ihrem mehrdeutigen Titel spielte und 1998 einen weiteren Top-50-Erfolg für Wolfgang Petry bedeutete und daher selbstverständlich auch auf “Alles Maxi” – 5:35 Minuten lang – zum Einsatz kommt.
Mancherorts ist zu hören, dass “Na Klar!” in gewisser Hinsicht eine Art “Ausverkauf” in Sachen “Wolle” betreibt. Solchen ewig besserwisserischen Bedenkenträgern ist aber entgegenzuhalten, dass die Lieder des groß gewachsenen Kölners schlicht viel zu schade sind, um sie in den Archiven verkümmern zu lassen. “Wolle” hat sich vor zwei Jahren aus der Showbranche zurückgezogen, eine honorige Tat – es gab und gibt, gerade im Musikbereich, nicht wenige Künstler, die (nicht selten aus reiner Geldgier und Geltungssucht) den richtigen Zeitpunkt zum Absprung nicht erkennen und sich schlussendlich vor ihren Anhängern zum Narren machen.

“Wolle” sei sein Rückzug ins Privatleben aus vollstem Herzen zu gönnen – seine Lieder bleiben aber Allgemeingut des deutschen Schlagers und haben zweifellos nationale Popgeschichte geschrieben. Daher sollten wir “Wolle”-Fans “Na klar!” äußerst dankbar dafür sein, dass uns diese Firma immer wieder tolles Archivmaterial des großen Wolfgang P. in bester Klangqualität und interessantester Aufmachung offeriert – was bei “Alles Maxi – Seine größten Erfolge” fraglos ein weiteres Mal geschehen ist!
Quelle: Holger Stürenburg für SMAGO.de

Plattenfirma: Na klar! / SONY BMG
VÖ: 23.05.2008
www.amazon.de

Titelliste:
01. Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n (Maxi-Version)
02. Bronze, Silber und Gold (Maxi Version)
03. Weiss’ der Geier (Extended Version)
04. Du bist ein Wunder (Long Version)
05. Sieben Tage, sieben Nächte (Long Version)
06. Ich will mehr (Extended Version)
07. Ich will noch mehr (Maxi Version)
08. Augen zu und durch (Extended Version)
09. Frei für Dich (Long Version)
10. Da geht mir voll einer ab (Extended Version)
11. So ein Schwein…
12. Wieso und weshalb… (Long Version)
13. Sehnsucht nach Dir (Long Version)
14. Weiber (Maxi Version)

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