GDV schafft Transparenz bei neuen Statistiken

Kaum eine Versicherung macht so häufig mit Statistiken auf sich aufmerksam wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Aktuell sorgt eine Analyse des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungen (GDV) für Aufregung. Innerhalb von wenigen Monaten hatte man zwei Statistiken veröffentlicht, die offenbar den gleichen Ausgangspunkt hatten. Trotzdem unterscheiden sich die Zahlen um 100.000 Fälle. Die Rede ist von BU-Anträgen, deren Zahl von Anfang des Jahres mit 820.000 angegeben wurde und im November nur noch bei 720.000 lag. Die Frage bleibt, wie so unterschiedliche Aussagen zu Zahlen aus dem Jahr 2014 entstehen können.

Verständliche Erklärungen dringend erwünscht

Noch im Januar 2016 berichtete der Branchenverband der deutschen Versicherer, im Jahr 2014 seien 820.000 Anträge auf Berufsunfähigkeitsversicherungen bei den Gesellschaften eingegangen. Das sei gleichbedeutend mit einem Marktanteil von 84 Prozent. Die Annahmequote lag damals bei 94 Prozent und somit bei rund 776.000 Anträgen. Im November und somit erst vor wenigen Wochen wurde dann die Zahl von 720.000 Anträgen kommuniziert. Sie sollen einem Marktanteil von 80 Prozent entsprechen. Der GDV kommentierte den Verlust von 100.000 Anträgen und die unterschiedlichen Daten erst auf Anfrage damit, dass man offenbar unterschiedliche Gesellschaften mit ihren Geschäftszahlen für die Analyse herangezogen hatte. So ließe sich der Unterschied im Marktanteil von 80 Prozent und 84 Prozent erklären. Außerdem sei die Basis für die Zahl der Verträge der Bestand, nicht aber der Marktanteil im Neugeschäft. Nicht näher erläutert wird der Umstand, dass es sich bei beiden Angaben um Zahlen aus dem Jahr 2014 handelt. Es dürfte im dringenden Interesse von Versicherten und Branchenexperten sein, wenn hier konsistente Daten herausgegeben werden, denn nur so lässt sich Verwirrung auf allen Seiten vermeiden.

So werden die Anträge angenommen

Ebenfalls auf Angaben des GDV beruht eine weitere Statistik, die darüber Auskunft gibt, wie die einzelnen Versicherungsanträge angenommen werden. Im Jahr 2014 wurden 75 Prozent der Kundenanträge ohne Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge akzeptiert. Bei drei Prozent wurde ein Zuschlag auf die Versicherungsprämie erhoben, bei 11 Prozent wurden keine Zuschläge erhoben, dafür aber Leistungsausschlüsse vereinbart. Lediglich bei einem Prozent wurden Ausschlüsse vereinbart und Zuschläge angesetzt. Sehr interessant ist die Zahl von vier Prozent für Antragsablehnungen. Sie lässt sich nicht vereinbaren mit einem Vorurteil gegen die Berufsunfähigkeitsversicherung, nach dem ein großer Teil der Anträge von den Gesellschaften nicht angenommen wird, weil man nur junge und gesunde Versicherte unter Vertrag nehmen will. (Auf welche Gesundheitsfragen man sich beim Antrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung einstellen muss, erfährt man auf http://www.berufsunfaehigkeitsversicherung-heute.de/berufsunfaehigkeitsversicherung-gesundheitsfragen/) Diese Zahl ist vielleicht der spannendste Aspekt in der diesjährigen Statistik, denn sie steht bei näherem Hinsehen in genauem Gegensatz zu den Aussagen, die man im Zusammenhang mit der Berufsunfähigkeitsversicherung immer wieder hört.

Keine Veränderung bei den BU-Ursachen

Wenig Bewegung gab es im Jahr 2016 bei den Gründen für den Arbeitskraftverlust. Noch im April des Jahres waren psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Erst auf dem zweiten Rang waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats zu finden. Diese Zahlen belegen einen Trend, der auch durch Daten der Deutschen Rentenversicherung und zur Erwerbsminderungsrente leider bestätigt werden. Offenbar müssen immer mehr Menschen ihren Beruf vor dem Rentenalter aufgeben, weil sie ihn aufgrund von nervlichen und psychischen Problemen nicht mehr ausüben können.

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