Grundlagen und Besonderheiten der privaten Unfallversicherung

In Deutschland sind einige Personengruppen (u.a. Kinder, Schüler, Studenten und Beschäftigte) im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung vor den finanziellen Folgen eines Unfalls geschützt. Ein Unfallereignis ist allerdings nur dann abgesichert, wenn es sich auf arbeits- oder schulbedingte Unfälle bezieht. Wer also nicht zu dem Personenkreis der Versicherten gehört oder wem die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung nicht weit genug gehen, der sollte sich mit der privaten Unfallversicherung auseinandersetzen. Der nachfolgende Beitrag informiert über die Grundlagen, den Leistungsumfang und ausgewählte Besonderheiten der privaten Unfallversicherung.

Grundlagen der privaten Unfallversicherung

Nach den Bestimmungen des Versicherungsrechts handelt es sich bei einem Unfall vereinfacht um ein plötzliches und von außen einwirkendes Ereignis, bei dem eine Person einen Schaden erleidet. Das Risiko, dass ein derartiges Ereignis eintritt, verfolgt uns nicht nur beim Klettern, Motorradfahren oder beim Fallschirmspringen, sondern auch beim Verleben eines gewöhnlichen Tages im Haushalt.

Nach Angaben der Versicherungsbranche passieren gerade hier, im eigenen Haushalt, die meisten Unfälle. Diese werden i.d.R. jedoch nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, da sie nicht arbeits- und schulbedingt entstanden sind. Die private Unfallversicherung schließt diese “Versicherungslücke”. Sie schützt den Versicherungsnehmer unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe und erstreckt sich neben dem gesamten beruflichen Bereich auch über den privaten Bereich, in dem man sich in Freizeit befindet.

Die in der privaten Unfallversicherung enthaltene Invaliditätsversicherung schützt den Versicherungsnehmer zudem vor andauernden körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. So würde ein Handwerker etwa beim Verlust seiner Arme von der Versicherung versorgt werden.

Leistungsumfang der privaten Unfallversicherung

Den Versicherungsumfang einer privaten Unfallversicherung bestimmt der Versicherungsnehmer selbst. Da der Versicherungsmarkt eine Vielzahl von Leistungsbestandteilen anbietet, wird hier zunächst eine Übersicht über die wesentlichen Leistungen gegeben:

Unfallrente: Die Unfallrente ist eine vereinbarte monatliche Zahlung, welche i.d.R. gezahlt wird, sofern eine andauernde geistige oder körperliche Einschränkung von mehr als 50 % besteht. Maßgeblich ist hier die sogenannte Invaliditätssumme, die den Grad der Einschränkung beschreibt. Die Unfallrente wird bis zum Ableben gezahlt.

Invaliditätszahlung: Neben der Unfallrente leistet die Versicherung im Schadenfall eine einmalige Zahlung, welche den Erwerbsausfall durch den Unfall ausgleichen soll. Dies ist die sogenannte Invaliditätszahlung. Ihre Höhe richtet sich nach dem Invaliditätsgrad des Versicherungsnehmers und der vereinbarten Leistung bei Vollinvalidität. Hat ein Versicherungsnehmer etwa eine Invaliditätssumme von 100.000 € vereinbart, so leistet die Versicherung bei 30 %iger Invalidität 30.000 €. Die Invaliditätsgrade können in der sog. Gliedertaxe nachgesehen werden. Für den Verlust des Geschmackssinns wird beispielsweise ein Invaliditätsgrad von 5 % angesetzt.

Tagegeld: Es ist grundsätzlich möglich, eine Tagegeldleistung für die Tage, an denen der Versicherungsnehmer eingeschränkt ist, abzuschließen. Hier ist häufig von Krankenhaustagegeld oder Genesungsgeld die Rede. Das Genesungsgeld kann unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Krankschreibung durch Arzt) bezogen werden, ohne dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

Todesfallleistung: Wer Alleinverdiener ist und die Familie versorgt, der denkt häufig über eine zusätzliche Leistung nach: die Todesfallleistung. Hier zahlt die Versicherung im Schadensfall, also im Todesfall, eine Hinterbliebenenversorgung für die Angehörigen. Aber Achtung: Die Versicherung leistet nur im Falle eines Unfalltodes.

Kosmetische Operationen: Kosmetische Operationen sind medizinisch nicht notwendig und daher auch nicht im Versicherungsfall enthalten. Sie können aber zusätzlich mitversichert werden. Der Beitrag erhöht sich durch diese Zusatzleistung i.d.R. nicht wesentlich.

Infektionen, Tierbisse und Vergiftungen: Bei Infektionen (z.B. Malaria), Tierbissen oder auch (Nahrungsmittel-) Vergiftungen leistet die gewöhnliche private Unfallversicherung nicht. Wer einem Risiko ausgesetzt ist, sollte zusätzliche Leistungsbestandteile mit in den Vertrag aufnehmen.

Private Unfallversicherung und Berufsunfähigkeit

Eine private Unfallversicherung kann die Hinterbliebenen vor finanziellen Folgen einer Erwerbsunfähigkeit schützen – allerdings nur, wenn die Erwerbsunfähigkeit durch einen Unfall ausgelöst wurde. Für Alleinversorger besteht demzufolge auch nach Abschluss einer privaten Unfallversicherung ein Risiko, dass die Familie oder andere Angehörige nach der Erwerbsunfähigkeit ohne finanzielle Mittel auskommen muss. So könnte die Erwerbsunfähigkeit etwa durch eine erbliche Krankheit auftreten. Hier würde die Unfallversicherung nicht leisten. Es ist daher als Alleinverdiener sinnvoll, auch die Berufsunfähigkeit abzusichern. Am Markt gibt es Unfallversicherungen mit Berufsunfähigkeitsschutz und Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Unfallschutz. Wer zum Kreis der genannten Personen gehört, sollte dieses Risiko beachten und ggf. seinen Makler um Rat bitten.

Preis-Leistung und Versicherungsvergleich

Der Markt der Versicherungen ist nicht grade für seine Transparenz bekannt: Viele Versicherungen lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Leistungsbreite nur schwer oder gar nicht vergleichen. Wer ausschließlich nach Preis entscheidet, riskiert eine knappe Leistung und wer ausschließlich nach Leistung entscheidet, der riskiert einen hohen Beitrag. Helfen können hier unabhängige Makler oder Informationsportale. Auf im-vergleich.de/unfallversicherungen/vergleich finden Sie weitere Informationen zur privaten Unfallversicherung sowie einen kostenlosen Vergleichsrechner, der Ihnen helfen kann, den besten Tarif zu finden.

Tipps zum Vertragsabschluss

  1. Prüfen Sie sogenannte Versicherungsausschlüsse. Manche Sportarten oder Berufe werden von den Versicherungen nicht versichert, so dass im Extremfall keine Leistung gezahlt wird, obwohl Sie jahrelang Beiträge zahlten. Dies trifft beispielsweise beim Sportfliegen zu.
  2. Denken Sie über eine Progression nach. Diese steigert die vereinbarte Invaliditätssumme (oben im Beispiel 100.000 €) um einen festgelegten Progressionssatz, sofern üblicherweise ein Invaliditätsgrad von mindestens 25 % vorliegt.
  3. Die Leistungen der privaten Unfallversicherung gehen über die der gesetzlichen Unfallversicherung hinaus. Grade wer sich langfristig absichern will, sollte über den Abschluss einer privaten Versicherung nachdenken.
  4. Arbeitnehmer können den beruflichen Teil der privaten Unfallversicherung von den Steuern absetzen. Grade bei hohen Versicherungsbeiträgen sollten Sie diesen Umstand nicht vergessen.

Beim Möbelrücken, Rasenmähen oder Fahrradfahren können sich schnell Unfälle ereignen, die schwere Folgen mit finanziellen Einbußen nach sich ziehen. Wer sein Risiko minimieren möchte, der sollte über eine private Unfallversicherung nachdenken. Das vielseitige Produkt ist für viele potentielle Versicherungsnehmer “ein Buch mit sieben Siegeln”. Wer unsicher ist, sollte sich zunächst umfassend informieren!

Weitere Informationen zum Thema private Unfallversicherung und weiteren Versicherungs-Themen mit aktuellen Vergleichsrechnern finden Sie auch unter: im-vergleich.de.

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